Achttausender
Die 14 höchsten Gipfel der Erde

Die 14 Achttausender liegen allesamt in Asien. Neun von Ihnen befinden sich im Himalaya, fünf im Karakorum. Der Karakorum schließt sich nördlich an die Hauptkette des Himalaya an und ist Teil des Himalaya-Systems. Höchster Berg der Erde ist der Mount Everest (8.850 m). Er wurde am 29. Mai 1953 von dem Neuseeländer Edmund Hillary und dem Nepalesen Tenzing Norgay erstmal bestiegen. Am 8. Mai 1978 erreichten Reinhold Messner (IT) und Peter Habeler (A) den Gipfel erstmals ohne zusätzlichen Sauerstoff. 

Reinhold Messner war es auch, der als erster Bergsteiger auf allen 14 Achttausendern stand (1970 bis 1986). Dabei verzichtete der Südtiroler nicht nur auf künstlichen Sauerstoff, sondern eröffnete an sechs Achttausendern auch eine bis damals unbegangene neue Route. Dazu gehört unterm anderem der Durchstieg der gefürchteten Rupal-Flanke am Nanga Parbat, mit einer Höhe von 4.500 m die größte Wand der Erde.

   
Mount Everest 8.850 m (l.); oberer Teil der Rupal-Flanke am Nanga-Parbat 8.125 m (r.)

Bis zum Jahr 2008 gab es weltweit 14 Bergsteiger, die die Gipfel aller 14 Achttausender erreicht haben. Sieben davon haben vollständig auf künstlichen Sauerstoff verzichtet. Seit kurzem gibt es auch einen Deutschen, der alle Gipfel erreicht hat: Ralf Dujmovits. Ihm gelang im Mai 2009 die Besteigung des Lhotse, der einzige Achttausender, der in seinem Tourenbuch bislang fehlte. Dujmovits wird allerdings nochmals in den Himalaya zurückkehren, da er nur 13 der 14 Gipfel ohne künstlichen Sauerstoff erkommen hat. Am Mount Everest setzte der seinerzeit künstliche Atemluft ein – nun will er den höchsten Punkt der Erde "by fair means" erreichen.

Bei den Frauen hat sich ein regelrechter Wettlauf entwickelt. Wer wird als erste Bergsteigerin alle 14 Achttausender bezwingen? Die Österreicherin Gerlinde Kaltenbrunner, die Ehefrau von Dujmovits, erreichte bis 2009 zwölf Achttausender. Im Mai 2009 gelang ihr die Besteigung des Lhotse. Ihr fehlten damals noch der K2 und der Mount Everest. Die Spanierin Edurne Pasaban kam zu diesem Zeitpunkt ebenfalls auf zwölf Achttausender. Nach dem Erfolg 2009 am Kangchenzönga waren nur noch die Gipfel von Annapurna und Shisha Pangma offen. Die Italienerin Nives Meroi hatte elf Achttausender auf dem Konto. Offen waren Annapurna, Makalu und Kangchenzönga.

Spitzenreiterin bei den Frauen war August 2009 die Südkoreanerin Oh Eun Sun, 43. Sie bestieg als erste Frau der Welt 13 Achttausender. Beeindruckend ist die Leistung vor allem deshalb, weil Oh allein im Jahr 2009 vier Achttausender bestieg: Kangchenzönga, Dhaulagiri, Nanga Parbat und Gasherbrum I. Vorher hatte sie im Wettlauf der Frauen praktisch niemand auf der Rechnung.

Oh Eun Sun bestieg 2010 die Annapurna – und ist damit die erste Frau der Welt, die alle 14 Achttausender erreichte. Edurne Pasaban schaffte dieses Ziel wenig später mit Doppelbesteigung der Shisha Pangma und der Annapurna. Auch Gerline Kaltenbrunner hat die 14 Achttausender voll gemacht. Sie bestieg 2010 den Mount Everest und 2011 den K2. Damit ist sie erste Frau, die alle 14 Achttausender ohne die Hilfe von künstlichem Stauerstoff bestieg.

       
Ralf Dujmovits (l.); Gerlinde Kaltenbrunner (M.); Edurne Pasaban (r.)

Die 14 Achttausender nach Höhe

BergHöhe ü. NN
Land Gebirge Erstbesteigung 
Mount Everest
8.850 m Nepal / China Himalaya
29. Mai 1953 
K2
8.611 m Pakistan / China
Karakorum 31. Juli 1954 
Kangchenzönga 8.586 m Indien / Nepal Himalaya 25. Mai 1955 
Lhotse 8.516 m Nepal / China Himalaya 18. Mai 1956 
Makalu 8.485 m Nepal / China Himalaya 15. Mai 1955 
Cho Oyu 8.201 m Nepal / China Himalaya
19. Oktober 1954 
Dhaulagiri I
8.167 m
Nepal
Himalaya 13. Mai 1960
Manaslu
8.163 m Nepal Himalaya 09. Mai 1956 
Nanga Parbat
8.125 m Pakistan Karakorum 03. Juli 1953 
Annapurna I
8.091 m Nepal Himalaya 03. Juni 1950 
Gasherbrum I
8.080 m Pakistan / China Karakorum 05. Juli 1958 
Broad Peak 8.051 m Pakistan / China Karakorum 09. Juni 1957 
Gasherbrum II
8.034 m Pakistan / China Karakorum 07. Juli 1956 
Shisha Pangma
8.027 m
China Himalaya 02. Mai 1964

Statistiken
Rund um die 14 Achttausender gibt es viele Statistiken. Die nachstehende Tabelle zeigt, an welchem Berg es wie viele erfolgreiche Gipfelbesteigungen gab. Die Angaben basieren auf Auswertungen des Statistikers Eberhard Jurgalski (Stand 2008). Ebenfalls ausgewertet wurde die Anzahl der Todesopfer, die es an den jeweiligen Bergen gab. Danach ist die Annapurna I der mit Abstand gefährlichste Achttausender. Das Verhältnis von Todesopfern je Gipfelbesteigungen knapp 38 Prozent. Das heißt im Umkehrschluss: Auf jeweils 2,64 erfolgreiche Besteigungen kommt jeweils ein Todesopfer. Hinter der Annapurna I folgen K2 und Nanga Parbat. Am wenigsten gefährlich ist der Cho Oyu. Auf 68 Gipfelerfolge kommt jeweils ein Toter.

   
Annapurna I 8.029 m (l.); Cho Oyu 8.201 m (r.)

Allerdings ist diese Statistik mit Vorsicht zu genießen. Die Zahlen beziehen sich nur auf die erfolgreichen Besteigungen. Aus ihnen darf nicht der Schluss gezogen werden, dass von den 153 Bergsteigern, die die Annapurna I bezwungen haben, 58 tödlich verunglückt sind. Die Todeszahlen beziehen sich auf alle Expeditionsteilnehmer, die am Berg unterwegs waren – auch wenn sie den Gipfel gar nicht erreicht haben. Unterm Strich liegt das Verhältnis von Todesopfer je Gipfel im Schnitt aller 14 Gipfel bei 6,95 Prozent. Das heißt: Auf jeweils 14 erfolgreiche Besteigungen fordern die Achttausender ein jeweils Todesopfer (Stand 2008).

Die 14 Achttausender nach Risiko

Berg Gipfelbesteigungen Todesopfer Verhältnis Todesopfer / Gipfel
Todesopfer pro Gipfel
Annapurna I
153 58 37,91 %
1 : 2,64 
K2 284 66 23,24 %
1 : 4,30
Nanga Parbat 287 64 22,30 % 1 : 4,48
Kangchenzönga 209 40 19,14 % 1 : 5,23 
Manaslu 297 53 17,85 %
1 : 5,60
Dhaulagiri I 358 58 16,20 % 1 : 6,17
Makalu 234 26 11,11 %
1 : 9,00
Gasherbrum I 265 25 9,43 % 1 : 10,60
Shisha Pangma 274 23 8,39 % 1 : 11,91 
Mount Everest 3.684 210 5,70 % 1 : 17,54
Broad Peak 359 19 5,29 % 1 : 18,89
Lhotse 321 11 3,43 % 1 : 29,18 
Gasherbrum II 836 19 2,27 % 1 : 44,00 
Cho Oyu 2.668 39 1,46 % 1 : 68,41
Gesamt 10.229 711 6,95 %
1 : 14,39

Schwierigkeitsgrade

Anmerkung: Die Passage "Schwierigkeitsgrade" wurde zu weiten Teilen aus dem Internet übernommen. Als Quelle diente die Homepage von Günter Seyfferth (http://www.himalaya-info.org/Achttausender.htm).
Wir bitten um Beachtung – vor allem, weil dort neben den Texten auch noch tolle Fotos zu sehen sind.

Selbst erfahrene Bergsteiger neigen dazu, die 14 Achttausender in die Kategorien "leicht" und "schwierig" einzuteilen. Um es vorweg zu nehmen: Es gibt keinen Achttausender, der leicht zu besteigen wäre. Zunächst ist es immer einer großer Aufwand, überhaupt an den Fuß eines Achttausenders zu gelangen. Und dann ist die Besteigung selbst auf einer technisch relativ anspruchslosen Route stets ein Kraftakt – bedingt durch den Sauerstoffmangel. Bei einem Witterungsumschwung in großen Höhen kann jeder in Lebensgefahr geraten, auch auf technisch leichten Routen. Hinzu kommen Gefahren wie Séracs, Gletscherspalten, Lawinen oder Steinschlag.

Wovon die Bergsteiger bei "leicht" und "schwierig" reden, ist der reine technische Schwierigkeitsgrad am jeweiligen Berg. Allerdings darf man hier nur die Normalwege miteinander vergleichen, denn ein Achttausender mit einem leichten Normalweg weist nicht selten extrem schwierige andere Routen auf. Vergleicht man also nur die technischen Anforderungen der Normalwege, kann man sicher und ganz pauschal behaupten: Der Normalweg am K2 – der Abruzzengrat – ist schwieriger als der Normalweg am Mount Everest oder am Cho Oyu.

Andererseits gibt es ein Kriterium, nach dem die Achttausender objektiv gesehen in zwei Klassen eingestuft werden können: die Höhe. Das mag auf den ersten Blick nicht plausibel erscheinen, ist aber tatsächlich von wesentlicher Bedeutung. Die Fachwelt spricht aus gutem Grund von den fünf hohen Achttausendern. Dies sind Mount Everest, K2, Kangchenzönga, Lhotse und Makalu. Die Besteigung dieser Gipfel erfordert auf ihren Normalrouten ein letztes Hochlager zwischen 7.800 m und 8.200 m. Dort verbringt man die vor dem Gipfelgang, oft auch die Nacht danach.

        
Gipfelgrat am Mount Everest von Süden (l.); Makalu 8.485 m (r.)
   

Bei den so genannten niedrigen Achttausendern steht das letzte Lager nur im Bereich von 7.000 m bis 7.300 m Höhe, am Cho Oyu bei 7.500 m Höhe. Das jeweils letzte Lager muss mindestens so hoch angeordnet werden, um in maximal 14 bis 16 Stunden zum Gipfel und zurück zu kommen. Der Bergsteiger hält sich also zwangsläufig an den hohen Achttausendern erheblich länger in der Todeszone auf (ab 7.500 m). In dieser Höhe verliert der Körper selbst im Ruhezustand an  Substanz. Zwei Übernachtungen in der Todeszone, die nur an den hohen Achttausendern erforderlich sind, verlangen dem Körper und der Psyche so viel mehr ab, dass Mount Everest, K2, Kangchenzönga, Lhotse und Makalu alleine auf Grund ihrer Höhe eine Klasse für sich darstellen.

Dass der Mount Everest dennoch die mit Abstand meisten Besteigungen aufweist, liegt an seiner Attraktivität. Er ist ganz einfach der höchste Berg der Welt – und das lockt selbst unerfahrene Alpinisten an. Schwierig ist er allemal: Er weist die allergrößte Gefährdung aus der reinen Gipfelhöhe auf. Hier stehen die Lager am höchsten, hier wütet der Höhensturm am stärksten, hier ist der Sauerstoffmangel am größten. Nirgendwo sonst wirkt sich ein Ausfall der künstlichen Sauerstoffversorgung so dramatisch aus wie am Everest. Dort begehen die Bergsteiger die am meisten ausgesetzten Stellen im Zustand der größten Erschöpfung, hier wird bei einer Wetterverschlechterung die Zone oberhalb des letzten Lagers und sogar das letzte Lager selbst besonders schnell zu einer tödlichen Falle.

Wie kommt es aber dennoch zu der hohen Zahl an Besteigungen? Wie gesagt: Der Everest steht als höchster Berg auf der Liste der Begehrlichkeiten ganz oben. Dort wird auch der größte Aufwand betrieben, um die Routen mit Lagern und Fixseilen vorzubereiten. Doch immer mehr Profibergsteiger und Experten sind der Meinung, dass die meisten der Everest-Bezwinger der neueren Zeit ihren Gipfelgang nicht überlebt hätten, wenn sie dort von einem Schlechtwettereinbruch überrascht worden wären. Ihre Fähigkeiten hätten gerade ausgereicht, um bei gutem Wetter und mit größter Fremdunterstützung zum Erfolg zu kommen. Die Fähigkeit, sich auch unter schwierigen Bedingungen eigenständig den Weg zurück ins Leben zu erkämpfen, wäre bei den wenigsten vorhanden.


(Quellen: Amical Alpin, Eberhard Jurgalski, Himalayan Database, Himalaya-info.org, Wikipedia; Stand 2008/2009)